Avatare belangen?

Können "Avatare" rechtlich belangt werden?

15.04.2011 - BMMH - Können auch "Avatare" rechtlich belangt werden ? Welche Rechte gelten in der virtuellen (Internet)Welt? Second Life ist eine sog. online Welt, in der man sich wie z.B. in div. anderen (sozialen) Netzwerken auch einen Account anlegt, und fortan dort unter diesem Account erreichbar/ansprechbar ist. Second Life geht aber noch ein paar Schritte weiter. Dort kann man richtig Geld ausgeben/investieren, aber auch richtig Geld verdienen. Das geht z.B. so, dass man innerhalb Second Life eine (virtuelle) Firma aufmacht, und dort (virtuelle) Waren verkauft. Das verdiente Geld kann hinterher in echtes Geld getauscht werden, was auch im "echten" Leben wieder ausgegeben werden kann.

Was ist ein Avatar?

Als Avatar wird in der Onlinewelt meist eine künstliche Person, oder ein grafisches Bild, ein Stellvertreter, einer echten Person bezeichnet. Wir kennen das z.B. aus den div. Foren oder Onlinekommunities. Dort kann man auch ein Bild in seinem Profil hinzufügen. Manch einer nimmt sein echtes Bild, was in manchen Fällen (z.B. in einem Karrierenetzwerk wie XING) auch durchaus in Ordnung ist. In vielen Fällen möchte man aber anonym bleiben, und gibt in aller Regel keine Adressedaten oder Kommunikationsdaten (email, Tel. Fax, Website) u.s.w. bekannt. Als Bild wird dann meist ein Ersatz für das echte Passbild verwendet. Dies kann irgend eine mehr oder weniger phantasievolle Grafik sein, oder auch das eigene Haustier :-)

Die rechtliche Situation

Was ist, wenn ein Second Life Mitglied vollgepackt einen Laden innerhalb Second Life verlässt? Ist es nun wirklich zu einem rechtsverbindlichen Kaufvertrag gekommen? Denn es wurden doch "nur" virtuelle Geschäfte abgeschlossen, jedoch gesteuert von einem Benutzer am Computer. Es gibt jetzt und zukünftig noch viele neue Rechtsfragen zu klären. Die Dinge verändern sich dramatisch schnell. Wer hat da eigentlich noch wirklich den Überblick? Netzwerke sind in Mode, und virtuelle Realitäten auch. Noch auch hier sollte man auf die rechtlichen Bestimmungen achten. Aber wie, wenn nichtmal klar ist, was hier "Recht" ist?

Es geht um mehr.

Bei diesen virtuellen Welten - Second Life ist ja nur ein Beispiel von vielen - geht es rein rechtlich um die Fragen, welchen Einfluss getätigte Geschäfte, oder auch andere "Dinge/Taten" auf das Zivil-, Straf- und Steuerrecht haben. Auch Fragen zum Thema Daten- und Jugendschutz sind noch weitgehend unbeantwortet. Das ist alles so schrecklich neu, und es geht so schrecklich schnell. Doch Gerichte setzen sich (und müssen es auch tun) immer öfter mit genau diesen virtuellen Situationen auseinander. Alleine Second Life hat Stand 2008 bereits über 15 Millionen !!! registrierte virtuelle Persönlichkeiten - sogenannte Avatare. Ungefähr 500.000 Benutzer "bewegen" Ihre Avatare durch die virtuellen dreidimensionalen Welten von Second Life (SL). Ist das nicht ein "Wahnsinn"? Und ist "Wahnsinn" hier nun etwas neg. oder eher etwas pos. ?

Was geht ab in der virtuellen Welt?

Längst ist das Leben in diesen modernen dreidimensionalen Internetwelten nicht mehr einfach nur Spiel. Es ist heute schon eine Platform für Geschäfte, die z.B. innerhalb Second Life sogar schon von echten, teilweise sogar grossen, namhaften Firmen verwendet wird. Hier können z.B. auch Bankgeschäfte erledigt werden, oder auch Eintrittskarten gekauft werden. Sogar Länderbotschaften sind hier zu finden. Alles ist möglich. Nichts ist unmöglich. Manche Avatare lassen sogar andere Avatare für sich arbeiten. Doch die rechtliche Situation ist mehr als fraglich und nahezu vollkommen unbeantwortet. Denn der Betreiber von SL stammt aus Amerika. Doch Nutzer, also Avatare können auch aus irgend einem anderen Land stammen. Nach welchen Recht wird dann ein Vertrag abgeschlossen?

Probleme mit Markenzeichen

Auch das kommt immer wieder vor, nicht nur bei SL, sondern in allen möglichen (sozialen) Netzwerken und nicht nur dort: Es werden einfach copyright geschützte Bilder verwendet, teilweise verändert. Doch genau das ist natürlich nicht erlaubt. Das gilt natürlich nicht nur für Avatarbilder, sondern z.B. auch für virtuell angebotene Ware, die z.B. Markenzeichen von bekannten realen Marken enthält. Generell - viele User ignorieren das, oder wissen es schlicht nicht - darf gar nichts einfach so kopiert werden, auch z.B. kein Text.

Weitere mögliche Straftaten

Wer nationalsozialistische Symbole verwendet, oder verbotenes Glückspiel betreibt, oder gar Kinderpornografie ausübt, bewegt sich ebenfalls in einem strafbaren Bereich, der entsprechend auch geahndet werden kann und wird. Auch wird (bzw. wurde) z.B. in SL auch des öfteren gegen das deutsche Jugendschutzrecht verstoßen.

Fazit; die Entwicklung im Internet ist manchmal schneller, als das Internet selber. Auch der "normale" Surfer kommt da oft nicht mehr mit. Eine Entwicklung, die nicht in jedem Fall gut ist. Hoffen wir alle das Beste.

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